Die GERBER-Mall. Bild: Arne Klett

Interview mit Roger Otto, EDEKA

Herr Otto, EDEKA Südwest wird im GERBER ein „EDEKA center“ eröffnen, einen Flagship-Store – also einen  großen Lebensmittelmarkt, wie er in der Stuttgarter Innenstadt bisher fehlt. Die Entwicklung ist hier in den letzten zehn Jahren stark derjenigen der Discountmärkte hinterhergehinkt. Warum ist das so?

Die Gründe sind einerseits im aggressiven Expansionsdrang der Discountmärkte zu suchen, andererseits in der restriktiven Ansiedlungspolitik der Genehmigungsbehörde. Sie hat Vollsortimenter abgelehnt: wegen der Gefahr für die kleinen Anbieter, wegen des Verkehrsaufkommens und wegen der großen Verkaufsfläche, die sie brauchen.

Dabei ist es nachweislich der Vollsortimenter, der die Kaufkraft in der Stadt oder dem Stadtteil hält. Weil der Kunde nicht beispielsweise nach Filderstadt oder in andere angrenzende Kommunen fahren muss, wenn er etwas ausgewählter einkaufen möchte oder wenn der Großeinkauf ansteht. Die Liste von Städten mit großflächigen Anbietern im Stadtgebiet ist lang. Schauen Sie nur mal nach Heilbronn ...

Roger Otto
Roger Otto: „Essenziell für den Erfolg eines Ladenlokals ist die Lage: die Lage außen, die Lage innen sowie die Voraussetzungen für eine reibungslose Logistik.“ Bild: EDEKA

Was gab darüber hinaus den Ausschlag, dass EDEKA sich für einen Markt im GERBER entschieden hat?

Essenziell für den Erfolg eines Ladenlokals ist die Lage: die Lage außen, die Lage innen sowie die Voraussetzungen für eine reibungslose Logistik. Das beginnt bei kurzen Standzeiten der LKWs und reicht bis zur Einhaltung der Kühlkette. Die Kosten in diesen rückwärtigen Bereichen steigen stetig und stehen daher immer im Fokus unserer Planung. Letztlich können Sie alles wunderbar herrichten – wenn der Kunde dann aber keine Butter bekommt oder wenn sein Käse zu weich ist, dauert es Monate, bis Sie ihn zurückgewinnen.

Der Gemeinderat hat jüngst entschieden, neben der Tübinger Straße auch die Marienstraße von der Ausstattung her an die Königstraße anzupassen – und zwar vor der Eröffnung des GERBER. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie dadurch für das Einkaufszentrum?

Diese Entscheidung ist mehr als zu begrüßen. Zur Akzeptanz des Centers ist es für die fußläufige Kundschaft wichtig, dass das Niveau der Ausstattung dieser Straßen an dasjenige einer der erfolgreichsten Einzelhandelsmeilen herangeführt wird. Wenn man dann noch darauf achtet, dass auch der Kunde mit dem Auto das GERBER bequem erreichen und wieder verlassen kann, dann wird sich diese Maßnahme auszahlen.

Worauf dürfen sich die Bewohner der Stadtmitte und der angrenzenden Stadtteile also freuen beim „EDEKA center“ im GERBER?

Auf ein völlig neues Einkaufserlebnis. Wir werden auf einer Fläche von zirka 2.500 Quadratmetern rund 25.000 Artikel anbieten. Besonderen Wert legen wir dabei auf regionale Produkte und solche mit Bio- und Fair-Trade-Labels sowie auf Frischeabteilungen. Es wird Fleisch- und Wurstspezialitäten von unseren eigenen Metzgereibetrieben geben, exklusive heimische und internationale Käsesorten, frischen Fisch aus aller Welt sowie Räucherfisch von der Firma Frischkost. Es werden laktose- und glutenfreie Produkte erhältlich sein, und die Mitarbeiter des EDEKA-Ernährungsservice geben interessierten Kunden Tipps für eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung.

Außerdem ist ein integrierter Getränkemarkt geplant, mit einem breiten Sortiment an Mineralwässern, Bieren und sonstigen Getränken aus der Region sowie aus ganz Deutschland. In der Weinabteilung mit Fachhandelscharakter werden über 1.000 internationale, nationale sowie regionale Weine stehen – Berater unterstützen die Kunden dabei, den richtigen auszuwählen.

Mit welcher täglichen Kundenfrequenz rechnen Sie in der Spitze?

Das ist schwierig zu prognostizieren, da sich das Einkaufsverhalten der Kunden permanent ändert. Aber wir gehen in den Stoßzeiten schon von einer Frequenz ähnlich der unseres Marktes in der Schulstraße aus, also in der belebten Fußgängerzone zwischen Königstraße und Marktplatz. Wenn dann noch die Kunden des Individualverkehrs hinzukommen, ist uns um den Erfolg des ganzen Centers nicht bange.

Roger Otto ist Leiter Gebietsexpansion Süd bei EDEKA Südwest.
Die Fragen stellte die Colliers Bräutigam & Krämer GmbH & Co. KG – sie ist für die Vermietung der Ladenflächen im GERBER zuständig.

-> www.colliers-bk.de

EDEKA Südwest

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EDEKA Südwest gehört zur deutschlandweit aktiven EDEKA-Gruppe und ist einer der größten Lebensmittelhändler in ihrem Absatzgebiet. Gemeinsam mit selbstständigen Kaufleuten betreibt sie fast 1.600 Märkte, auf verschiedenen Vertriebsschienen: von kleinen Nachbarschaftsmärkten bis hin zu Warenhäusern.

Die Märkte werden von fünf Logistikstandorten aus beliefert; außerdem verfügt EDEKA Südwest über mehrere eigene Fleisch- und Backbetriebe sowie über einen Weinkeller und einen Mineralbrunnen.

Mit über 43.000 Mitarbeitern und mehr als 3.000 Auszubildenden ist EDEKA Südwest einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder in der Region.
 
-> www.edeka.de

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